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Gospel-Ensemble unter Studiobedingungen aufgenommen  - jugend-mittendrin.de

Gospel-Ensemble unter Studiobedingungen aufgenommen

(17.06.2011)

Schon lange träumte das Gospelprojekt davon, eine CD unter Studiobedingungen zu produzieren. Auf Grund der Größe des Ensembles kein einfaches Unterfangen.

Am Himmelfahrtswochenende wurde dieser Traum Wirklichkeit! Na gut, noch nicht ganz... aber der Grundstein für die CD wurde mit den Aufnahmen des Ensembles in der Landesmusikakademie im sächsischen Colditz gelegt.

An Himmelfahrt, pünktlich 9:30 Uhr traf sich das Ensemble auf Schloss Colditz. Nach kurzem gemeinsamen Beginn mit Gebet und organisatorischen Hinweisen war es Zeit, sich für den Soundcheck ... zu trennen. Bei einer Aufnahme trennen? Ja genau, die Tonspur des Chores wurde im Kammermusiksaal der LMA aufgenommen, die des Orchesters, der Band und der Solisten  in jeweils anderen Räumen über die ganze Musikakademie verteilt.

Was sich unglaublich anhört, hatte den einfachen Hintergrund, dass das Ensemble für Aufnahmen in einem Raum einfach zu groß war. So wurde kurzerhand aus der Not eine Tugend gemacht und das ganze Gospelprojekt samt Mikrofonen so auf separate Räume verteilt, dass die Lieder ohne Überlagerung und Übersprechen aufgenommen werden konnten, um später im Tonstudio CD-reif abgemischt zu werden.

Ein Problem blieb noch, das unseren Technikern im Vorfeld einige schlaflose Nächte bescherte. Wie bekommt man ein getrenntes Ensemble wieder zusammen? Einem Tontechniker wie einem Musiker braucht man nichts von Temposchwankungen und Disharmonien zu erzählen, sie kennen diese aus Erfahrung. Nachdem einige Lösungen im Gespräch waren, wurde auf eine Technik zurückgegriffen, mit der bisher weder eines der Ensemblemitglieder noch die Landesmusikakademie oder der kurzfristig gewonnene Tonmeister Erfahrung hatten.

Ein Monitoringsystem, bei dem jedes der ca. 130 Ensemblemitglieder einen Infrarotkopfhörer aufhatte, mit dessen Hilfe es die „anderen“ hören konnte, wurde herbeigeschafft und dazu eine Videoverbindung zwischen den Räumen eingerichtet, mittels derer das Dirigat aus dem Kammermusiksaal in die anderen Räume übertragen wurde. So weit die technische Seite.

Dennoch blieb die Sorge, ob man es denn schaffen würde gemeinsam zu musizieren. Nach dem Soundcheck am 1. Aufnahmetag fiel allen ein Stein vom Herzen, es schien zu funktionieren! Nach und nach erarbeitete das Ensemble die ersten Titel, was nicht immer leicht war, da die Disziplin bei Aufnahmen eisern sein muss.

Ein Höchstmaß an Konzentration wird dabei von jedem Teilnehmer gefordert. Immer wieder singen, wiederholen, singen, wiederholen und die Lieder mit jedem Take besser hinzubekommen war die Aufgabe.

Nach einem anstrengenden Tag und mit vier Stücken im „Kasten“ ging es zum Abendbrot in die  Jugendherberge Bad Lausick und danach zum Gottesdienst in die Gemeinde Borna. Nach einem sehr bewegenden und und emotional geladenen Himmelfahrtsgottesdienst, den der leipziger Bezirksevangelist Cramer hielt, klang der Abend beim gemeinsamen Gesang und Gesprächen in der Jugendherberge aus.

Am nächsten Tag stand der Abstecher zum Kirchentag nach Dresden an. Der Bericht darüber und über das dort in der Christuskirche gegebene Konzert kann in einem gesonderten Artikel nachgelesen werden.

Der Samstag stand wieder ganz im Zeichen der CD-Aufnahme auf Schloss Colditz. Nach enormer Anstrengung und guten Erfolgen beim „Hallelujah“ und dem neuen Orchestermedley, scheiterte das Gospelprojekt nach der Mittagspause beinahe an einem seiner Lieblingslieder „Singa Yesu, singa“.

Die Anspannung verhinderte es ein ganzes Stück lang, den gemeinsamen „Groove“, ohne den das Lied gewaltig an Ausstrahlung verloren hätte, hinzubekommen. Doch mit viel Ausdauer und Engagement der Sänger und Tontechniker gelang es allen, sich wieder zu fangen und einige gute Takes des Liedes einzusingen. Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie sich Beharrlichkeit und Fleiß auszahlen. Und so ging es bei der Aufnahme folgender Liedern wieder sehr gut voran.

Jedes einzelne Lied, das aufgenommen wurde, ließ nicht nur die musikalische Einheit des Ensembles wachsen. Die Sänger und Musiker schafften es, über Mauern hinweg zu einem Ganzen zu werden und  trotz räumlicher Trennung gemeinsam zu musizieren.

Das in der Jugendherberge Bad Lausick auf 21:00 Uhr verschobene Abendbrot leitete wieder einen Abend voller Begegnung, Gesang und des Miteinanders ein. Der Pianist Johannes wurde aus dem Bett geholt und ab ging die spontane Gospel-Feier bis tief in die Nacht.

Der Gottesdienst am nächsten Morgen war trotz der Fülle emotionaler Momente an diesem Wochenende der Höhepunkt des Ganzen. Keiner musste es erwähnen oder gar betonen, das war einfach so. Das Gospelprojekt versammelte sich morgens um 10:00 Uhr auf der Wiese hinter der Jugendherberge. Die mit Blumen, Tüchern und orangen Accessoires hergerichtete Tischtennisplatte diente als Altar.

Es brauchte an diesem Morgen keines Kirchengebäudes, die jungen Menschen konnten die Gegenwart Gottes unmittelbar in der Natur erfahren, es stand nichts dazwischen.

Trotz ungewöhnlicher äußerer Bedingungen hundertprozentig im Rahmen der Liturgie geblieben, bewies die musikalische Gottesdienstgestaltung, dass ein Rahmen nicht einengen muss, sondern Sicherheit gibt. Als Fazit der Predigten bleibt, dass wir an dem Platz, an den uns Gott gestellt hat, viel bewegen können. Die Richtung und Stärkung dafür gab dieser Gottesdienst.

Nach dem Gottesdienst war das Wochenende noch keineswegs vorbei. Schnell noch Mittag essen und wieder auf nach Colditz. Der Endspurt der CD-Aufnahme stand noch bevor: noch einige Stunden Konzentration, Anspannung, Lächeln beim Singen, Denken an vergangene Konzerte und Emotion auf „Knopfdruck“.

Noch ein Stückchen Anstrengung, noch drei Lieder, die aufgenommen werden mussten und endlich war die Aufnahme geschafft! Erleichtert und glücklich konnte sich das Ensemble am frühen Abend auf den Nachhauseweg begeben.

Ein ganzes Stück Arbeit steht allerdings noch den Tonleuten bevor, die Fülle an Rohmaterial muss noch geschnitten und abgemischt werden. Wie in der NAK üblich geschieht das nebenbei und ehrenamtlich.

Die Früchte des Mammutprojekts werden ab Frühjahr/Sommer 2012 erhältlich sein. Weitere Informationen gibt es unter www.gospelprojekt.eu.

Ingrid Eifrig