Konfirmation ... und was kommt danach?
Es wieder so weit. Junge Schwestern und Brüder wurden konfirmiert.
Warum konfirmieren?
Die Beweggründe, dass sich Jugendliche konfirmieren lassen sind vielfältig. Steht in der neuapostolischen Kirche eine gewisse Selbstverständlichkeit und Zwangsläufigkeit dieser Handlung bei den 14-bis 15jährigen im Vordergrund, so bedarf zum Beispiel die Konfirmation in der evangelischen Landeskirche einer Anmeldung.
Nach einer Studie des Lehrstuhls für Evangelische Religionspädagogik an der Universität Tübingen aus dem Jahr 2009 meldet sich rund die Hälfte der evangelischen Konfirmanden aus eigenem Antrieb an.
(vgl: http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2009_03_02_studie_konfirmation.html)
Das heißt nicht, dass damit nicht oft auch nur einer Erwartungshaltung entsprochen wird und persönliche Empfindungen und Meinungen den Eltern zuliebe zurückgestellt werden.
Demgegenüber muss die besagte Selbstverständlichkeit in der neuapostolischen Kirche nicht heißen, dass sich Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht auch ganz bewusst dieser Handlung hingeben.
In der evangelisch-methodistischen Kirche beispielsweise wird ein anderer Weg beschritten. Dort werden Jugendliche nach einem zweijährigen Unterricht in einem feierlichen Gottesdienst für ihren weiteren Lebensweg gesegnet. Während dieser Einsegnung wird kein persönliches Glaubensbekenntnis von ihnen erwartet. Erst wenn sich Gläubige später ganz bewusst für eine Mitgliedschaft in der ev.-method. Kirche entscheiden, legen sie ein persönliches Glaubensbekenntnis vor der Gemeinde ab. Erst ab diesem Zeitpunkt sind sie volles Mitglied ihrer Kirche. Wenn dort Eltern ihre Kinder taufen lassen (was nicht in jedem Fall geschieht, Kinder werden oft auch „nur“ gesegnet), so werden diese wohl in die Kirche und Gemeinde aufgenommen, jedoch werden sie dadurch kein volles Mitglied. Dafür ist erst die bewusste Entscheidung im reiferen Alter notwendig.
Auf diese Weise muss kein Jugendlicher etwas „geloben“, von dem sie (oder er) nicht wirklich überzeugt ist. (vgl: http://www.emk.de/methodistisch-emk+M51fd0f707da.html)
Konfirmation (lat. confirmatio) hat die Bedeutung von Stärkung, Befestigung, Kräftigung. Wenn Kinder im Säuglingsalter getauft wurden und die Eltern die Verantwortung für eine gute geistliche Entwicklung des Kindes übernahmen, so soll ab diesem Zeitpunkt der junge Erwachsene seine Geschicke in Glaubensfragen selbst in die Hand nehmen.
„Ich entsage dem Teufel...“
In der Neuapostolischen Kirche beginnt das Gelübde, das die Konfirmanden im Konfirmationsgottesdienst aufsagen mit den Worten: „Ich entsage dem Teufel...“
Eine schier unmögliche Aufgabe, doch bei aller Utopie sollte man sich zur Konfirmation und nicht nur an diesem Tag ernsthaft vornehmen, Jesus als seinem Vorbild nachzueifern und dass man sich darum bemühen will, eine enge Beziehung zu ihm zu haben. Wichtig ist auch die Erkenntnisgewinnung, dass man seiner großen Gnade bedürftig ist.
Ich stelle mal eine Frage in den Raum: Wer kann, egal in welchem Alter stehend, „dem Teufel und all seinem Werk und Wesen“ wirklich entsagen?
Wird hier nicht eine Last auf die Schultern der jungen Erwachsenen gelegt, die kein Christ wirklich tragen kann? Werden die Konfirmanden bei ernsthaftem Bemühen dieses Gelübde einzulösen nicht immer wieder zu der Erkenntnis geführt: Ich habe wieder versagt! Ich bin wieder in die Sünde gefallen! Ich bin unvollkommen! Ich habe mein Wort gebrochen!? Minderwertigkeitsgefühle könnten sich einstellen und zu seelischen Fehlentwicklungen führen.
Ich finde, der Wortlaut des Konfirmationsgelübdes sollte überdacht werden. Es sollte zum Ausdruck kommen, dass man sich ernsthaft vornimmt, Jesus als seinem Vorbild nachzueifern und dass man sich darum bemühen will, eine enge Beziehung zu ihm zu haben. Es muss aber auch zum Ausdruck kommen, dass ich seiner großen Gnade bedürftig bin und in jedem Fall, so wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen jederzeit zu ihm kommen kann.
Bei dem Wort „Gelübde“ drängen sich mir immer Parallelen zur Vereidigung bei der NVA, der Armee der DDR, auf. Auch hier sprach man von einem Gelübde wie man den Fahneneid auch bezeichnete und tat so, als würde es jeder voll Inbrunst freiwillig abgeben. In Wahrheit taten es viele (die meisten?) aber nur unter Zwang und um persönlichen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, die unter Umständen sehr unangenehm werden konnten.
Ein weiterer Gedanke in diesem Zusammenhang: Wie sollte man mit Konfirmandinnen und Konfirmanden umgehen, die ganz offen sagen, dass ihre Konfirmation der letzte Gottesdienst ist, den sie besuchen, danach sind sie weg? Kann man diese das Gelübde ruhigen Gewissens aufsagen lassen, nur um einer Form zu genügen?
Im schlimmsten Fall könnte der Konfirmationsgottesdienst der letzte Gottesdienst eines Christen sein – wie kann man dem entgegenwirken?
Die Ursachen hierfür können sicher sehr vielfältig sein. Vielleicht hat man „keinen Draht“ zu seinen Altersgenossen, vielleicht gibt es gar keine?
Vielleicht ist es einem zu anstrengend immer präsent zu sein? Vielleicht hat man das Gefühl, dass man einfach nur funktionieren muss, um andere zufriedenzustellen und möchte das nicht mehr? Hat man vielleicht in der Gemeinde keine Möglichkeit, sich einzubringen, und zwar so, wie man selber möchte? Hat man vielleicht keine Möglichkeit eine echte Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen? Vielleicht weil Traditionen und Vorschriften im Vordergrund stehen, die einem das Glaubensleben verleiden? Wurde man vielleicht in seiner Persönlichkeit verletzt? Findet man Gottesdienste einfach nur totlangweilig, weil man sich von immer gleichen Phrasen nicht angesprochen fühlt, weil man nichts wirklich für seinen Alltag, seine tägliche Glaubenspraxis mitnehmen kann? Hat man vielleicht ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der Glaubensgrundlagen seiner Kirche? Ist man stark eingebunden in einen Freundeskreis, bei dem christliche Werte keine Rolle spielen?
Man könnte diese Liste wahrscheinlich noch sehr lange fortsetzen...
Was kann sich positiv auf eine feste Verankerung der Konfirmanden in der Gemeinde Christi auswirken?
Die Heranwachsenden müssen spüren, dass man sie wahrnimmt, dass man von ihnen etwas wissen will, dass es wichtig ist, was sie denken, was sie verändern würden, um sich noch wohler (oder überhaupt erst mal wohl) zu fühlen. Den Heranwachsenden muss Vertrauen entgegengebracht werden. Das hört sich selbstverständlich und einfach an, ist aber nicht leicht umzusetzen, denn damit verbunden ist auch ein gewisser Freiraum, der ihnen dann zugestanden werden muss, den die jungen Menschen gestalten können. Den Tag der Konfirmation sollten die Eltern der Konfirmanden nicht ohne ihre Kinder planen, sondern mit ihnen gemeinsam. Ein kleines Detail, das den frischgebackenen Jugendlichen zeigt, dass sie ernst genommen werden.
Ein Beispiel: Was würde wohl in manchen Gemeinden in den Köpfen vieler Neuapostolischer vorgehen, wenn ein tätowierter Jugendlicher als Musikbeitrag im Gottesdienst mit einem T-Shirt bekleidet, elektronisch verstärkt ein Lied singen würde, das von der Orgel begleitet wird?
Hier mal ein Beispiel:
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Wir sollten nicht erst nach der Konfirmation damit beginnen, die „Neuen“ zu integrieren, sondern viel früher. Die Fähigkeiten und Vorlieben sollten schon sehr früh gesucht, gefördert und für die Gemeinde gewinnbringend eingesetzt werden. Und damit meine ich nicht nur musikalische Aktivitäten. Ideenreichtum und viel Phantasie sind dabei gefragt. Die Aufforderung: „Bring dich mit ein!“ kann nicht funktionieren, wenn dafür keine Basis, kein Freiraum besteht.
Eine Gemeinde, die es schafft das Zentrum des Christseins, nämlich den Glauben an Jesus und das Vertrauen zu Jesus ihren Kindern und Jugendlichen v o r z u l e b e n, die es schafft die Überzeugung in die jungen Herzen einzupflanzen, dass sie Gottes geliebte Kinder sind, weil sie diese Tatsache selbst für sich in Anspruch nimmt, diese Gemeinde hat die besten Chancen, dass die heranwachsenden Jugendlichen in der Konfirmation nicht nur eine unausweichliche Zeremonie oder ein finanziell sehr interessantes Ereignis sieht.
