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Weihnachten in Russland  - jugend-mittendrin.de

Weihnachten in Russland

(27.12.2011)

Wir begeben uns auf „Reise“ in ein Land, in dem Weihnachten auch in unserem Sinne erst im neuen Jahr gefeiert wird.

© argot - Fotolia.comDie russisch-orthodoxe Kirche hat die von Papst Gregor XIII. 1582 eingeführte Kalenderreform nicht angenommen. Bis heute ist es so, dass dort die christlichen Feiertage nach dem julianischen Kalender, von Julius Cäsar ein geführten, und damit mit einer Verschiebung zum gregorianischen Kalender gefeiert werden.

Die russischen Bürger feiern an „unserem“ 7. Januar Weihnachten. 40 Tage zuvor beginnt das Weihnachtsfasten. Zunächst weniger streng als das Fasten vor Ostern. Ab dem13. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt, am 24. Dezember. Es handelt sich dabei nicht um die liturgische Adventszeit. Während dieser Zeit wird jedoch die Liturgie Schritt für Schritt mit weihnachtlichen Motiven angereichert. Die beiden letzten Wochen (Sonntage) vor Weihnachten sind liturgisch den Ahnen Christi gewidmet.

Die kirchlichen Feierlichkeiten am Heiligabend werden mit einer Komplet (Nachtgebet) eingeleitet. Diese wird mit einer gesungenen Taufliturgie begonnen, die fortan jeden Tag bis zur Apodosis – also „Rückgabe“ des Feiertages am 13. Januar gesungen wird. Das bedeutet, dass die Feiertage nach unserem Kalender am 31. Januar enden. Die große Komplet am Heiligabend beinhaltet acht Schriftlesungen, die sich von der Erschaffung der Welt bis zur Errichtung des Reiches Gottes erstrecken. Die Komplet geht in den Frühgottesdienst (Mette) über. Beide bilden zusammen die Nachtwache. 

Am Weihnachtstag selbst wird eine Liturgie gesungen, die besonders die Eucharistie ("Abendmahl“) hervorhebt. Es werden Psalmen im Wechselgesang gesungen. Die Lesungen an diesem Tag (Gal. 4, 4–7) heben besonders die Bedeutung der Menschwerdung Gottes für die Christen hervor. Dazu gibt es eine Lesung über die Anbetung Christi von den Weisen aus dem Morgenland. Ein wichtiger Bestandteil der volkstümlichen Weihnacht ist die Koljada am Heiligabend. Sie stammt von alten heidnischen Bräuchen ab. Zunächst wurde sie von der orthodoxen Kirche verfolgt. Später füllte sich die Sitte nach und nach mit christlichen Inhalten. Die Koljada lebt in manchen Gegenden wieder auf: Junge Leute, manchmal nur Männer, verkleiden sich und singen vor den Häusern. Begonnen wird meist vor dem Haus des Geistlichen, des Popen.

Das erste Lied wird vor dem Fenstern gesungen. Je nach Zusammensetzung der Gruppe bittet der Hausherr diese herein oder nicht. Danach werden Lieder für die ganze Familie gesungen oder auch für deren einzelne Mitglieder. Den letzten Teil bilden lustige Strophen mit guten Wünschen. Wenn die jungen Leute fertig sind, muss der Hausherr ihnen besondere Speisen anbieten.

Die traditionellen Speisen am Heiligabend heißen Syt’ und Sotschiwo. Sie bestehen aus gekochtem Getreide, Honig, Rosinen, zerriebenen Nüssen, Mohn. Vor dem Erscheinen des ersten Sterns am Himmel darf am Heiligabend nichts gegessen werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird Ente oder Gans mit Äpfeln gegessen. Einen wichtigen Bestandteil der weihnachtlichen Festlichkeiten bildeten früher die Puppenmysterien. Diese wurden in Puppenhäusern auf Jahrmärkten dargeboten. Der Ablauf ist zumindest im ersten Teil unseren Krippenspielen nicht unähnlich. Der zweite Teil diente der Unterhaltung.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, Weihnachten mit dem russischen Jolka-Fest gleichzusetzen. Dieses findet zu Silvester oder am Neujahrstag statt. Der Brauch Tannenbäume zu schmücken breitete sich erst im 19. Jahrhundert aus. Das moderne Jolka-Fest besteht in seiner jetzigen Form seit Mitte der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts.


mk