Wort zum Monat Mai: Psalm 119, 19 „Ich bin ein Gast auf Erden“
Welche Gedanken kommen bei Dir, wenn Du das Plakat vom Monat Mai mit diesem Bibelwort betrachtest? Was lösen die Worte „Ich bin ein Gast auf Erden“ in deinem Herzen aus?
Vertröstung auf ein besseres Jenseits? Flucht aus dem, was das Leben so schwer macht? Bestimmt nicht oder vielleicht doch?
Ich kenne die Worte aus dem Psalm 119 hauptsächlich in Verbindung mit Trauerfeiern. Dabei habe ich oft den Spruch gehört: „Wir bauen alle feste und sind nur fremde Gäste. Doch wo wir sollten ewig sein, da bauen wir gar wenig ein.“ Die Tiefe des Inhalts habe ich als Jugendlicher nicht erfasst.
Die Botschaft zum Plakat im Mai lautet: „Die Gabe des Heiligen Geistes hilft uns, klarer zu sehen, Gutes von Bösem, Wichtiges von Unwichtigem, Irdisches von Himmlischem unterscheiden zu können.“ Und hier sind wir bei der eigentlichen Frage: Wie lebst du dein geschenktes Leben, hast du dich für das „ganze“ Leben entschieden?
Jesus lebt heute noch genauso wie damals, nicht mit einem irdischen Leib, aber als der Auferstandene. Er ruft auch heute noch Menschen in die Nachfolge. Er hat dich und mich ebenfalls gerufen und spricht jeden Einzelnen an: „Folge mir nach.“ Unsere Aufgabe ist es immer wieder neu, eine klare Entscheidung zu treffen: Bleibe ich „sitzen“, oder stehe ich auf und mache mich auf den Weg, um Jesu nachzufolgen. "Die des Weges“, so nannte man die Gläubigen in der urchristlichen Zeit, die Jesu glaubten.
„Die des Weges“ waren keine „Spaziergänger“, sondern Menschen, die trotz mancherlei Widerstände und Schwierigkeiten sich von Jesus bewegen ließen und nach vorn schauten. Sie hatten großen Mut zu neuen Wegen, weil sie Jesus vertrauten.
Ich bin ein Gast auf Erden bedeutet für mich im Hier und Jetzt Entscheidungen zu treffen, die ich vor Gott verantworten kann. Dazu gehört ein sehr ehrlicher Prozess des Suchens, des Wagens und gründlichen Nachdenkens. Manchmal fehlt uns der Durchblick, die Klarsicht für eine verantwortungsvolle Entscheidung. Wie gut ist es da zu wissen, wem man sich anvertrauen kann.
Noch ein Begriff fiel mir bei dem Bibelwort „Ich bin ein Gast auf Erden“ ein - Gastfreundschaft.
In meiner frühen Jugend spielte ich Handball. Es war ein großer Unterschied, ob wir “Gastmannschaft“ waren oder „Heimvorteil“ hatten. Wohltuend war es als Gastmannschaft, wenn wir auch Gastfreundschaft erleben konnten.
Ich wünsche mir in den Gemeinden eine Atmosphäre der Gastfreundschaft, wo „Heimvorteile“ nicht vordergründig herausgekehrt werden. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam auch auf dem MJT in Erfurt im September Gastfreundschaft erleben werden.
Die schlichten Begegnungen waren es oft, die in meinem Leben einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Gemeinden, wo Gastfreundschaft gelebt wird, dort ist auch die Bereitschaft vorhanden sich auf andere Ansichten und Lebensstile einzulassen. „Was Gastfreundschaft wert ist, kann nur der ermessen, der von draußen kommt, aus der Fremde.“ (R. Guardini) Im Matthäusevangelium 25, 35 lesen wir: “Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Wohl dem, der diese Worte einmal hören darf.
Dietmar Voigt
